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Kann man Rußland noch verstehen? Eine Momentaufnahme der aktuellen russischen Krise

Vortext
Rußland wieder in der Krise. Diesmal  scheint es schlimmer als je zuvor. Der Rubel fiel in den Keller, die Preise schnellten ins Uferlose, die Regale sind leer. Die Bergarbeiter revoltierten, die Gewerkschaften riefen zum Generalstreik auf. Sie fordern eine neue Politik. Präsident und Duma blockierten sich wochenlang gegenseitig, bis man sich auf eine Kompromißregierung unter dem neuen Premier Jewgeni Primakow einigen konnte. Präsident Jelzin mußte zwar nicht gehen, wie von vielen gefordert; in Zukunft wird er sich aber vor allem damit beschäftigen müssen, die Zeit nach Jelzin zu organisieren. Entscheidende Wahlen stehen bevor: Ende 1999 soll die Duma, im Jahr 2000 soll ein neuer Präsident gewählt werden. Kann dieser Schritt gelingen? Und mit welchen neuen Programmen?
Kai Ehlers hat sich während der Krise im Lande umgeschaut.

O-Ton 1: Kinderfest        0,40
Musik beim Kinderfest
Regie: O-Ton kommen lassen, kurz frei stehen lassen, unterlegen, allmählich abblenden

Erzähler:
Kinderfest im Kulturpark einer Republikhauptstadt. Tscheboksary an der Wolga. Ungeachtet der Krise wird Fröhlichkeit für die Kinder organisiert. Das städtische Puppentheater gibt eine Gratisvorstellung für Familien, die sich die teuren Kindergartenplatze nicht mehr leisten können. Auch die Karussels, Raupen und vieles anderes Vergnügungsgerät, das in diesem Park einst kostenlos zur Verfügung stand, steht verödet.
Geladen ist auch die Dichterin Raissa Sarpi, früher als Kämpferin für soziale Gerechtigkeit ausgezeichnet. Sie ist Vorsitzende der regionalen Frauenorganisation, Redakterurin einer Frauen- und einer Kinderzeitung. Auch sie tritt kostenlos auf. Am Rand ihres Auftritts aber schüttet sie ihr Herz über den Zustand ihres Landes aus:

O-Ton 2: Raissa Sarpi        0,30
”Setschas w Rossije…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzerin hochziehen

Übersetzerin:
“Zur Zeit gibt es in Rußland keinen Staat. Es gibt nur die Parodie eines Staates. Worin zeigt sich das? Der Mensch braucht Lohn, bei uns werden die Menschen zur Zeit aber rücksichtlos auf den Abfallhaufen der Geschichte geworfen. Sie bekommen keinen Lohn. Selbst die Sklaven, die die Pyramiden bauen mußten, wurden versorgt. Wir dagegen schuften Monate, Jahre und erhalten nicht eine Kopeke.  Der Mensch kann eine Woche ohne Wasser sein, ohne Nahrung, wie Christus kann er vierzig Tage überstehen. Aber wie oft sind wir schon vierzig Tage lang nicht mehr versorgt worden! Wenn wir nicht die Dörfer hätten, Verwandte, wären alle Leute schon vor Hunger umgekommen.”
… umerli bi.”

Erzähler:
Es werde große Veränderungen geben, fährt sie fort. Nicht nur vor Rußland, vor der gesamten Menscheit stehe die Frage des Überlebens. Aber was tun?

O-Ton 3: Raissa, Forts.        0,55
“Po swjem parametrom…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzerin bei 0,25 hochziehen, kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Erzähler hochziehen

Übersetzerin:
“Allen Anzeichnen nach wollen die höheren Kräfte, die uns erschaffen haben,  uns vernichten. Aber insofern es auf der Welt einige hundert rechtschaffende, reine Leute gibt, die an Gott glauben und nach den göttlichen Gesetzen leben, entschieden diese Kräfte, ihretwegen den Planeten Erde zu erhalten. Die Apokalypse, die in der Bibel angekündigt ist, wird eintreten und das wird in nächster Zeit sein; was ist die Apokalypse…?”

Regie: Hochziehen, kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Erzähler hochziehen

Erzähler:
Atemlos treibt es die Dichterin voran. Sie hat eine Offenbarung zu verkünden. Es bleibt wenig Zeit: Schon im August 1999 werde die Ozonschicht des Planeten sich auflösen. Überleben können nur Menschen mit reiner Seele, erklärt sie, die keine negativen Energien anziehen, die einander lieben und sich gegenseitig helfen. Die üblen dagegen, die auf Kosten anderer Millionen und Milliarden an sich gerissen haben, werden vernichtet. Für sie ist keine Vergebung möglich. Die Demokratie, setzt Frau Sarpi noch hinzu, habe den Menschen die Wahl zwischen Gut und Böse gegeben. Man müsse wählen.
…nada delatj vibor

Erzähler:
Frau Sarpi ist beliebt in der Republik.  Ihre Gedichte werden vertont. Es ist ihre radikale Vision einer gerechten ökologischen Gesellschaft,  welche die Menschen bisher zu ihr zog. Aber ihre Auftritte, die noch vor wenigen Jahren im Dienst des erwarteten demokratischen Aufbruchs und der Souveränität der ethnisch geprägten tschuwaschischen Republik, ihrer Heimat, standen, werden mehr und mehr zu Verkündigungen jenseitiger Hoffnungen. Zwölf neue Propheten gebe es heute, meint Frau Sarpi, die auserkoren seien, die Menschheit zu retten. Sie zählt sich dazu. Die Offenbarungen eines anderen liegen auf ihrem Schreibtisch – ein dickleibiger Schmuckband unter dem Titel „Das letzte Testament,  dessen aufwendige Aufmachung auf potente Finanziers verweist. “Konjez swjeta”, das Ende des Lichtes und die Sammlung aller Gerechten wird auch darin verkündet.
Allerorten strömen die Menschen heute solchen Propheten zu, die Ersatz für die verlorene „lichte Zukunft des Sozialismus“ und Heilung vom Streß der neuen Wolfsgesellschaft versprechen.

O-Ton 4: Platzmusik in Andschero Sudschinsk     0,55
Musik
Regie: O-Ton unter dem Erzähler langsam lassen, nach Erzähler kurz stehen lassen, abblenden

Erzähler:
Feiern, um die Weltuntergangsstimmung zu vertreiben, das gilt auch für Andschero Sudschinsk. Andschero Sudschinsk ist jener Ort im sibirischen Kemerowo, von dem im Sommer die Streiks der Bergleute und die Blockierung der Transsibirischen Eisenbahnstrecke ausging. Auch frühere Streiks hatten hier ihren Ursprung. Andschero Sudschinsk ist mit fünf Zechen, von denen drei stillgelegt sind und zwei die Löhne zurückhalten, Kern des sibrischen Krisengebietes und Auslöser der letzten Krise. Den Statistikern gilt Andschero Sudschinsk als sterbende Stadt mit der höchsten Selbstmordquote in der russischen Föderation. Heute wird, allen Veränderungen der letzten Jahre und der aktuellen Krise zum Trotz, der “Tag des Bergarbeiters” gefeiert.

Regie: hier ausblenden
Erzähler:
Zwei Ecken weiter, gerade weit genug, um das laute Treiben nicht mehr zu hören, stehen die Menschen Schlange vor einem kleinen Kiosk, an dem Brot verkauft wird. Hier geht es ganz um den Alltag, den Anstieg der Preise, die fehlenden Löhne. Haben die Streiks einen Sinn? Kann man an der Situation etwas ändern?

O-Ton 5: Frau in der Schlange         0,25
“Nu vot jelesni…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Erzähler hochziehen

Erzähler:
“Daß die Gleise blockiert wurden, das war natürlich schon nicht mehr gut.”, meint diese Frau, die selbst an den Aktionen nicht teilgenommen hat. „Aber andere Mittel hat man ja nicht mehr“, fährt sie fort. „Kein Geld, die Menschen hungern schon. Selbst Brot für die Kinder können manche schon nicht mehr kaufen.” So etwas habe es selbst im Krieg nicht gegeben.
Und wenn die Regierung jetzt Verbesserungen verspreche?
… takowa nje bila”

O-Ton 6: Mehrere Menschen, Schlange        0,16
„Nje veru ja…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, allmählich abblenden

Erzähler:
„Ich glaube nicht ein Wort“, sagt der Mann. Die Frau stimmt ihm zu. Immer wieder Versprechungen, immer wieder dasselbe. So könne es nicht weitergehen, meint ein anderer. Das Wort Revolution klingt auf.

O-Ton 7: Schlange in Andschero-Sudschinsk     0,16
„Ne snajau, normalno…
Regie: O-Ton kommen lassen, kurz stehen lassen, abblenden, nach Erzähler hochziehen

Erzähler:
“Ja, das wäre normal”, sagt der Mann. “Man muß möglichst bald eine Revolution machen. Dann gibt es vielleicht wieder Ordnung.”
Unter Revolution versteht er: “Oben muß aufgeräumt werden; ein Umsturz muß her!”
…djelat nada, Straße

O-Ton 8  Forts. Schlange        0,16
“Nam mnoga krowje…
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Erzähler:
“Viel Blut wird es geben”, wendet ein anderer ein. “Man muß alles auf friedlichem Wege machen.” Vorstellungen wie das geschehen könnte, hat er nicht. “Wir sind die Arbeiterklasse, “sagt er, “darüber sollen die da oben nachdenken.” Die Umstehenden stimmen ihm zu.
…tam verhach”, Stimmen

Erzähler:
Die Geduld der Menschen ist am Ende. Die Regierung ist ratlos. Aber eine Revolution findet nicht statt. Warum nicht? Ein junger Mann, Facharbeiter in der Maschinen-Fabrik des Ortes, erklärt das so:

O-Ton 9: Facharbeiter, Forts.         0,41
„Da,  potschti revolutionni
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Übersetzer:
„Ja, es ist eine nahezu revolutionäre Situation. Ich weiß nicht, wie das zustandekam, aber daraus erwächst jedenfalls nichts Gutes. Deshalb hat die Macht begriffen, daß Gewaltanwendung hier nicht möglich ist. Es gab keine Polizeieinsätze. Selbst die Sondertruppen hielten sich zurück. Sie sind ja selbst in der gleichen Lage. Sie kriegen ihren Lohn auch nicht. Sie wissen, daß die Leute gegen das Elend aufstehen. Deshalb sind sie mindestens neutral. Einige haben sich sogar offen solidarisch erklärt. …
Es müssen Maßnahmen her, die die Menschen beruhigen. Jelzin hat die Bergarbeiter betrogen, er muß weg. Das ist klar. Aber ob das nützt? Ich weiß es nicht, schwer zu sagen. Es ist eine nicht vorhersagbare Situation.“
…nje pedskasuimaja situatia“

Erzähler:
In der Verwaltung klingt es nicht viel anders: Nach den Streiks wurde der Administrator der Stadt Andschero-Sudschinsk ausgewechselt. Viktor Ifschan, der neue Mann, früher Direktor der größten Maschinenfabrik des Ortes, hat jetzt die Hinterlassenschaft der Streiks zu bewältigen. Sein Urteil ist so zweideutig wie die ganze Situation:

O-Ton 10: Administrator von Anschero-Sudschinsk    0,34
„No, objektivna…
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Übersetzer:
„Außer negativen Folgen haben die Streiks für die Stadt nichts gebracht. Das muß man sagen. Man muß aber auch sagen, daß die Bevölkerung sich in einer ziemlich schwierigen Lage befindet, insbesondere mit dem nicht gezahlten Löhnen, offener und versteckter Arbeitslosigkeit. Jeder Mensch hat das Recht dagegen zu protestieren, wenn er sich an die Gesetze hält. Warum dagegen einschreiten? Ich habe, noch als Direktor der Maschinenfabrik, meinen Leuten erlaubt, sich für drei Stunden am Tag an den Aktionen zu beteiligen.“

Erzähler:
Überdies hätten die Ereignisse auch Nützliches gebracht, findet der Administrator. Moskau habe sich endlich um die Region kümmern müssen.

O-Ton 11: Administrator, Forts.         0,32
„Obsche korne problemi..
Regie: O-Ton kommen lassen, kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzer hochziehen

Übersetzer:
„Die allgemeine Ursache der Probleme liegt ja darin, daß wir gegenwärtig nicht wissen, was wir aufbauen, wohin wir gehen. Der Staat hat sich aus der Verantwortung gezogen. Verschuldung beim IWF,  innere Verschuldung, also Einbehaltung der Löhne, Sparpolitik. Das alles wird der Bevölkerung aufgelastet. Würde jemand  sagen, wohin der Zug geht, würde die Bevölkerung noch lange aushalten, nicht ewig, aber lange. Objektiv sind die Menschen bei uns ja bereit, auszuhalten, wenn sie nur wissen wofür.“
… kudasche mi idjom“
Erzähler:
Der Administrator sucht deshalb den Dialog. Im Dialog zwischen Betrieben und Arbeitenden möchte er einen Weg finden. Das Gleiche gilt für den Gouverneur der Republik Kemerowo, Tulejew, der sich klar gegen jede gewaltsame Lösung des Konfliktes ausgesprochen hat.
An Orten, die an den Aktionen nicht unmittelbar beteiligt, aber doch von ihren Auswirkungen betroffen waren, ist man nicht so nachsichtig. So etwa  in Nowosibirsk. Dort wettert Nicolai Matschalin, der Direktor der „Eisenbetonfabrik Nr. 4“ in Nowosibirsk hart gegen die Streiks der Bergleute. Aus seiner Sicht sind das Provokationen gegen das russische Volk:

O-Ton 12: Fabrikdirektor Matschalin        0,31
„Oni tam sedeli…
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Übersetzer:
„Sie haben da gesessen und blockiert – wir haben keinen Zement bekommen, keine Bauteile usw.  Wir konnten die Steuern nicht zahlen, weil wir nicht produzieren konnten; unsere Pensionäre kriegten ihre Rente nicht, meine Arbeiter keinen Lohn, weil sie ihn nur bekommen, wenn sie arbeiten.  Wie kann da die Beziehung zu den Streikenden sein! Nun, natürlich extrem negativ! Das geht fast bis zum Haß. Der Staat, der Polizei und Spezialtruppen hat, OMON, wäre verpflichtet gewesen, die Bergarbeiter da wegzuräumen.“
…ubratj schachtörow srelzow“

Erzähler:
Moskau habe seine Schwäche gezeigt, fährt der Direktor fort, um sich gleich darauf wieder zu korrigieren – vielleicht ja auch seine Stärke,  indem es die Aktionen einfach ignoriert habe. Für die, die arbeiten wollten, wende sich die Lage durch solche Aktionen aber noch weiter zum Schlechteren. Ein Pinochet müsse her, ein entschlossener Diktator, meint der Direktor:

O-Ton 13 Direktor, Forts.    0,31
„Kak nowodil parajadok… Regie: O-Ton kommen lassen, kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzer hochziehen

Übersetzer:
„Wie hat Pinochet die Ordnung hergestellt? Man schrieb früher bei uns, daß er dem Giutarrenspieler Viktor Jara die Hände  zerschlug; ja, aber dafür ist Chile heute ein blühendes Land! Und es war General Pinochet, der es zum Blühen brachte; dann ist er von selbst gegangen. Eisenhower, de Gaulle! Sie waren starke Generale, welche die Autorität des Volkes nutzten. Wenn ein paar hundert Leute im Stadion ohne Essen und Wodka zusammengetrieben würden, dann gäbe es ein bißchen Aufruhr und sonst nichts.“
… i nitschewo nje bila“

Erzähler:
Bedauerlicherweise, schließt der Direktor, gebe es im heutigen Rußland keine Führungspersönlichkeit, die dazu bereit wäre, diese Rolle zu übernehmen. Auch der von ihm verehrte General Alexander Lebed, obwohl für einen starken Staat, sei leider nicht bereit, den Weg der Diktatur zu gehen.
Eine revolutionäre Situation ohne Revolutionäre, das ist Rußland am Ende von sieben Jahren Jelzinscher Reform-Politik. Wie beurteilen russsiche Analytiker diese Situation? Hören wir dazu Tatjana Saslawaskaja, die große alte Dame der russischen Soziologie. Von ihrer „Nowosibirsker Schule“ gingen seinerzeit erste Impulse zur wissenschaftlichen Begründung der Perestroika aus. Heut ist Frau Saslawskaja Co-Rektorin im „Institut für Sozialwissenschaften“ in Moskau. Intensivierung – so lautete damals ihre Hauptforderung. Was ist ihrer Ansicht nach daraus geworden?

O-Ton 14: Tatjana Saslawskaja        0,25
„Ja dumaju schto…
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Übersetzerin:
„Ich denke, wir befinden uns jetzt in einer „Gesellschaft im sozialen Umbruch“. So habe ich es in meinem letzten Buch genannt. Alte Institutionen zerfallen, neue bilden sich erst heraus. Deshalb ist die Gesellschaft zerbrochen, befindet sich in diesem intensiven Prozeß der Transformation. Auf die Frage, gab es eine Intensivierung? kann ich deshalb nur antworten: Ja und auch nein. Hier kann es keine eindeutige Antwort geben.“
… i da i njet.“

Erzähler:
Auf den kriminellen Charakter der Privatisierung angesprochen, antwortet sie:

O-Ton 15:  Saslawskaja, Fortsetzung        0,35
„Kriminalni, eta fakt…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzerin hochziehen

Übersetzerin:
„Kriminell – das ist ein Fakt: krimineller Charakter der Gesellschaft, kriminelle Macht, kriminelles Eigentum. Das ist das Schlimmste. Daß die Produktion steht, daß die Leute keine Arbeit haben, daß alles zusammenbricht – das ist alles wahr. Das ist sehr schlecht. Aber die Kriminalisierung unserer Gesellschaft ist natürlich das erschreckendste Resultat. Wir haben nicht nur keinen Schritt in Richtung eines Rechtsstaates geschafft, sondern uns viele Schritte von ihm entfernt. Das scheint mir das Problem Nummer eins zu sein. Wie das Problem gelöst werden kann, weiß ich nicht, gerade wegen der Kriminalisierung der Macht.“
… kriminalisatia wlasta.“

Erzähler:
In ihren frühen Veröffentlichungen hatte Frau Saslawskaja die Gellschaft der Sowhetunion als Hybrid beschrieben: nicht Sozialismus, aber auch nicht Kapitalismus. Sie fand dafür den Begriff einer „Verhandlungswirtschaft auf Gegenseitigkeit“. Für die nach der Privatisierung entstandene Situation scheint ihr aber selbst dieser vage Terminus noch zu bestimmt:

O-Ton 16:         0,35
„Ja vo pervie mje verju…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzerin hochziehen

Übersetzerin:
„Ich glaube nicht, daß der Begriff Hybrid noch zutrifft. Auch die Begriffe Kapitalismus oder Sozialismus können nicht mehr richtig erklären, womit wir es hier zu tun haben. Man braucht neue Begriffe ……….Insgesamt würde ich unsere Gesellschaft heute eher als kapitalistisch beschreiben. Aber was für ein Typ von Kapitalismus? Man verkauft das eigene Land unter Wert. Man stielt und verschleudert es; Fabriken, Parkplätze, Wälder; es gibt genug zu verkaufen. So ein Kapitalismus ist das: kriminell, antipatriotisch. Aber das ist auch wieder nicht richtig. Wie soll man es nennen? Am Ende ist es einfach so etwas wie ein Monster.“
… Monster polutschajetsja.“

Erzähler:
Nicht mehr Kapitalismus, sondern weniger sei entstanden, meinen andere Analytiker. In einem aber sind sich alle einig: Das ehemalige staatsmonopolistische Eigentum wurde auf räuberische Weise privatisiert; die dabei erzielten Gewinne  wurden jedoch nicht investiert, sondern zu großen Teilen ins Ausland transferiert. Die zerfallende Nomenklatura verband sich mit ihrem Gegenstück, der mafiotischen Schattenwirtschaft zu neuen Oligarchien, die miteinander kämpfen.  Präsident Jelzin, obwohl von der Verfassung 1993 mit nahezu diktatorischen Vollmachten ausgestattet, beschränkte sich auf die Erhaltung eines status quo. Der Schwächung der Zentralmacht aber entsprach die wachsende Bedeutung der Regionen. Kommen von dort die zukünftigen Alternativen?
Auf diese Frage antwortet Pjotr Fjodossow, Berater für den Vorsitzenden des 1993 neu geschaffenen Föderationsrates:

O-Ton 17: Pjotr Fjodossow        0,47
„Alternative..  (deutscher Text)
Regie: O-Ton  durchlaufen lassen

Pjotr Fjodosswo (deutsch):
„Alternative ist vielleicht nicht das optimale Wort, aber es steht für meine Begriffe fest, daß a)  der Schwerpunkt der Entscheidungsfassung sich zunehmend in die Regionen verlagert, also die Regionalisierung, die Föderalisierung findet real statt. Innerhalb von fünf Jahren, – vor fünf Jahren gab es diese Institution  hier gar nicht  – ist dieser Prozess sehr fortgeschritten. In den letzten zwei Jahren erst recht, weil in den letzten zwei Jahren die russischen Regionen sich diesem Prozess massiv angeschlossen haben. Damit verliert der Prozess der Regionalisierung und Föderalisierung seine ethnische Komponente, was ihn zu einer Normalität, zu einer wünschenswerten macht.“
…wünschenswerten macht.“

Erzähler:
Das zweite Argument Fjodossows ist nicht minder wichtig:

O-Ton 18 Pjotr Fjodossow        0,48
„Alternative..  (deutscher Text) Regie: O-Ton  durchlaufen lassen

Pjotr Fjodosswo (deutsch):
„Das andere ist, daß in vielen Regionen inzwischen eine wirtschaftliche, sozialwirtschaftliche Eigendynamik entstanden ist, daß Lösungen gesucht und auch gefunden werden, die oft landesweit sich nicht umsetzen lassen, aber in den Regionen doch umgesetzt werden können und die Regionen auf der Oberfläche halten. Die Lage ist sehr ungleich in verschiedenen Regionen, aber es gibt durchaus Regionen, in denen heute schon ein Wachstumstrend erkennbar ist. Ich glaube, daß mittelfristig die stärksten Impulse für die Sanierung der allgemeinen Situation aus den Regionen kommen werden.“
… kommen werden“

Erzähler:
Wie diese Impulse aussehen, läßt sich im Kleinen gut an der bereits erwähnten „Eisenbetonfabrik Nr. 4“ in Nowosibirsk studieren. Ungeachtet, möglicherweise aber auch dank der kruden Ansichten des Direktors gilt die Fabrik weit über Nowosibirsk hinaus als Musterbetrieb. Zu ihr werden Besucher geführt, denen man eine Alternative zeigen möchte.
Bereitwillig erklärt Direktor Matschalin, wie es dazu kam:

O-Ton 19: Direktor        0,34
„Nu, jesli po tschestnemu …
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzer hochziehen

Übersetzer:
„Nun, geradeheraus gesagt: In den letzten Jahren, insbesondere in den letzten vier Jahren, haben wir den Umfang unserer Produktion erweitert. Wir sind wieder auf das Niveau angestiegen, daß wir vor dem Niedergang hatten, also auf das Niveau vor Perestroika. Es gibt keine andere Fabrik hier bei uns, die in diesem Umfang tätig ist, mehr noch, viele Fabriken, die vom Umfang ihrer Produktion her früher Giganten waren, liegen weit unter der „Eisenbetonfabrik Nr. 4“. Von  der Hauptadiministration des Gebietes haben wir daher Preise  für „Erfolgreiche Entwicklung von Geschäftstätigkeit in Sibirien“ erhalten.“
… w Sibirje.“

Erzähler:
Lässig zeigt er auf die Preise, die in dem modernisierten Büro augestellt sind. Dann schränkt er ein:

O-Ton 20: Direktor        0,38
„Nu, njeschni pokasateli…

Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzer hochziehen

Übersetzer:
„Nun, das sind die äußeren Anzeichen. Im Innern sieht es anders aus. Es ist alles sehr schwierig, es stimmt alles irgendwie nicht, vor allem mit den Steuern. Bei uns in Rußland wird jedes Unternehmen in die Enge trieben – dem Staat gegenüber, dem Budgetfonds, in gegenseitige Verrechnungen und Verschuldungen. Lebendiges Geld gibt es nur sehr wenig. Das lebendige Geld reicht gerade eben für den Fond zur Bezahlung der Arbeit. Alles andere chinchen wir irgendwie aus, mit dem Staat, mit der Stadt, mit dem Verwaltungsgebiet, mit unseren Kunden, tauschen irgendwie, mogeln uns durch.“
… schion no milo, tak.“

Erzähler:
Wie die Erfolge erzielt wurden? Die Antwort des Direktors läßt nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig:

O-Ton 21: Direktor        0,59
„Nu, rabotschi stali…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach dem 2. Übersetzer bei 0,25 hochziehen

Übersetzer:
„Die Arbeiter müssen mehr arbeiten. Ich fordere von ihnen vollen Einsatz. Zu Boomzeiten arbeiten sie 10 bis 12 Stunden, auf manchmal zwei, drei Monate überhaupt ohne Pause. Dafür gebe ich ihnen praktisch auch alles, was sie brauchen, um zu leben. Was kann man da nennen: freie Wohnung, Mahlzeiten, medizinische Versorgung, Kindergartenplätze, Kuraufenthalte.“

Regie: hier kurz hochziehen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzer hochziehen
Erzähler:
Lang ist die Liste, die der Direktor aufzählt: Sogar eine persönliche Pension gibt es, die ehemalige Mitarbeiter in Form von Nahrungsmitteln bekommen.

Übersetzer:
„Diese Menschen gaben der Fabrik ihre ganze Jugend. Einige haben hier vierzig oder mehr Jahre gearbeitet. Nach der Privatisierung blieben sie auf der Abfallseite des Lebens. Außer uns hilft ihnen niemand. Ich versuche, was ich kann.“
015 … nikto ne pomoschet“ putajus..

Erzähler:
Auf den Staat oder auf Gott zu hoffen“, so bringt Matschalin sein Credo auf den Punkt, „da kannst du lange warten. Du mußt selber entscheiden.“

O-Ton  22: Direktor        1,02
„To est, sidit…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzer hochziehen

Übersetzung:
„Das heißt, hier sitzen und auf irgendwelche Aufträge vom Staat zu warten, das ist nicht seriös. Die Direktoren, die saßen und auf Aufträge aus dem Budget gewartet haben, aus Budgetfinanzierung, drei, vier Jahre zurück, die haben verloren. Sie haben sich verspätet. Der Zug ist abgefahren. Rekonstruktion, Modernisierung, Reorganisation der Produktion kostet jetzt ein irrsinniges Geld. Darüber hinaus ist der Markt besetzt und da Eingang zu finden, ist sehr schwierig. Worum geht´s also? Die Qualität der Produkte bei gleichzeitigen Niderigpreisen! Der Profit den wir dabei rausholen, ist minimal. Das heißt, wir bekommen den Profit auf Grund des Umfangs unserer Produktion herein. Da geht es dann auch nicht mehr an, daß man lange redet. Die Dinge ändern sich schnell, da muß schnell eingeschlagen werden. Der Direktor muß sein Wort halten. Das Wort des Direktors garantiert die Zukunft der Fabrik. Wenn heute ein Direktor ein einziges Mal jemanden reinlaufen läßt, dann kommt der nicht wieder, darüberhinaus erzählt der Klient das allen anderen und aus ist es. Alles übrige, daß die Fabrik nur unter schweren Bedingungen arbeiten kann – ja, wir haben es schwer! Ja, wir haben hier diese formlose Wirtschaft. Aber was, bitte!? Wir leben nun mal hier in Rußland und werden nirgendwohin auswandern.“
… nikuda uischats.“

Erzähler
Die Belegschaft fühlt sich von solchen Worten keineswegs getroffen. Im Gegenteil: Stolz bestätigt sie den Kurs ihres Direktors:

O-Ton 23: Betriebsbelegschaft        0,10        Kollektiv u nas otschen…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzer ausblenden

Übersetzer:
„Das Kollektiv bei uns ist sehr gut. Das Kollektiv hat verstanden, daß man einen normalen Zustand  nur mit eigener Arbeit erreichen kann.“

Erzähler:
Eine ältere Kollegin, Veteranin des Betriebes, wie sie sagt, ergänzt:

O-Ton 24: Betriebsbelegschaft        0,55
„Nu, schto to Kollektiv…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, hochziehen

Übersetzerin:
„Daß das Kollektiv hier so gut ist, das ist ein Ergebnis unseres Einsatzes.. Wir wissen:  Um heute arbeiten und überleben zu können,  sind folgende Bedingungen notwendig: Erstens natürlich ein Kollektiv. Zweitens: daß wir Qualitästerzeugnisse haben. Drittens: Daß wir Termine einhalten:  Nicht nur versprechen und dann nicht tun; man muß Aufträge erfüllen. Der Auftrag muß Qualität haben und technologisch ziemlich geschmeidig sein. `Aha, sie brauchen einen Balkon? machen wir!´ Das heißt, wir machen nicht einfach unseren Stiefel weiter, wir erfüllen die Aufträge, die die Stadt heute braucht, verstehen Sie?  Klagen hilft nicht. Wir haben begriffen, daß wir uns selber helfen müssen. Weiter: Man muß Samstags arbeiten. Samstag und Sonntag haben wir einen Auftrag auf Röhren? In Norden werden Röhren gebraucht? Also arbeiten wie Samstag und Sonntag über 12 Stunden. Wir wissen, daß es nötig ist und wir machen es.“
… i mi djelajem.“

Erzähler:
Die Arbeitsplätze der „Eisenbetonbafrik Nr. 4“ sind begehrt. Hier fühlt man sich sozial aufgehoben und geschützt. Alles beim Alten also? Was unterscheidet diese Organisation des Betriebes und diese Haltung zur Arbeit noch von Sowjetzeiten? Die Antwort der Belegschaft ist unmißverständlich: Zurück will niemand. Erstens: Wer so nicht so arbeiten will, kann gehen. Das war früher anders. Noch wichtiger aber:

O-Ton 25: Betriebsbelegschaft        1,52
„Kto my? My aktionernoe…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, bei 0,25 hochziehen, abblenden, unterlegen, zwischendurch beliebig hochziehen, weiter unterlegen, am Ende hochziehen

Übersetzerin:
„Wir sind eine Aktiengesellschaft. Das ist es. Wir haben die Fabrik vom Staat gekauft, sie ist unsere Eigentum. Früher hat man uns Aufträge erteilt, jetzt sind wir selbst die Herren hier. Wir haben einen Sowjet der Aktionäre, wir haben eine allgemeine Versammlung…“
… jest sabrannije, Stimmen

Regie: Zwischendurch hochziehen

Erzähler:
Von vierhundert Menschen, die in der Fabrik arbeiten,  sind achtzig Aktionäre. Sie halten, einschließlich des Direktors,  jeweils Anteile zwischen 1 – 3 Prozent. Die Aktionärsversammlung wählt einen Aktionärssowjet: Er hat 9 Sitze mit je einer Stimme, tagt regelmäßig und bestimmt die Richtlinien der Fabrikpolitik. Vorstand des Sowjets und Direktor sind nicht identisch. Der Direktor nimmt mit einer Stimme an den Sitzungen des Sowjets teil, an dessen Beschlüsse er gebunden ist. Seine politischen Ansichten sind Privatangelegenheit; sie werden in der Belegschaft keineswegs von allen geteilt. Dividenden werden auf Verlangen ausgeschüttet. Niemand macht jedoch zur Zeit davon Gebrauch. Das Geld wird investiert. Die Löhne sind leistungsgebunden; der Direktor bekommt ein Gehalt in fünffacher Höhe des mittleren Betriebseinkommens – abgesehen von den Sachzuwendungen wie dem von der Fabrik gestellten Dienstwagen etwa. Das entspricht dem, was die Belegschaft sich in Form sozialer Leistungen vergütet.
Die Aktionäre verstehen ihren Betrieb als Modell, das sie auch anderen Betrieben empfehlen. In der Tat: Kollektives Privateigentum und Mitbestimmung unter einem gewählten Direktor könnten ein Weg sein, der aus dem Entweder-Oder von Kollektiveigentum und Privatisierung hinausführt. Die Frage ist nur, welches Mischungsverhältnis das paternalistische und das demokratische Element darin miteinander eingehen, einfach gesprochen, wer in dieser Gemeinschaft bestimmt – und wie.

Erzähler:
In Krasnojarsk kann man die Impulse, die sich in der Aktiengesellschaft der „Eisenbetonfabrik Nr. 4“  nur andeuten,  im Großen verfolgen.

O-Ton 26: Straße in Krasnojarsk         0,32
„Straße, Frage, Kak vam…
Regie: O-Ton langsam kommen lassen, nach dem Erzähler bei 0,8 hochziehen,  kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, am Ende hochziehen

Erzähler:
Nach seiner Wahl zum dortigen Gouverneur von Stadt und Gebiet Krasnojarsk versucht der ehemalige General Lebed sich dort als Alternative zu Präsident Jelzin aufzubauen:

Regie: aufblenden, kurz stehen lassen

Erzähler:
„Lebed gefällt mir gut“, sagt diese Frau, die am Straßenrand Obst und Gemüse verkauft.  Mit Lebed werde Ordnung und Disziplin einkehren. „ Er ist ja Soldat“, sagt sie. Er wird die Preise stoppen, meint sie; er wird dafür sorgen, daß die Löhne und die Pensionen gezahlt werden. Eine Diktatur? Nein, die befürchte sie nicht. Sie habe ohnenhin nichts zu verlieren.
…gjla atwetow, Straße

Erzähler:
Gouverneur Lebed und seine Leute verstehen Krasnojarsk als Modell. Alexander Poluschin, Biograf Lebeds und nach dessen Wahl enger Mitarbeiter des Gouverneurs in der Administration, erklärt das so:

O-Ton 26: Poluschin, Forts.        0,30
„Sserze w etom smislom…
Regie: O-Ton kurz stehen lassen, abblenden, unterlegen, nach Übersetzer hochziehen

Übersetzer:
„Es ist das Herz Rußlands. Hier gibt es erstens große Ressourcen. Und die Menschen haben gelernt, unter schweren Bedingungen zu leben. Die einheimische Bevölkerung und auch die, die hierher von der sowjetischen Macht verschleppt wurden. Diese Menschen sind fähig, Probleme zu lösen. …
Hier kann man zeigen, wie man die Ausplünderung, auch die durch Moskau, stoppen und eine elementare Ordnung herstellen kann. Das bedeutet, eine Diktatur des Gesetzes zu errichten.“
…diktaturu sakonna

Erzähler:
Ob das in Krasnojarsk gelingt oder ob Lebeds Hauptkonkurrent, der Moskauer Bürgermeister Juri Lyschkow, das Rennen gewinnt, macht kaum einen Unterschied. Beide treten für einen starken Staat ein, der den weiteren Ausverkauf Rußlands stoppen soll. Beide kommen aus der Regionalpolitik, Lyschkow allerdings mit dem Makel, aus Moskau, das heißt für viele, aus dem Zentrum  der bürokratischen Mafia zu sein, die das Land ausraubt.
Entscheidend ist, ob es gelingt, den bevorstehenden Machtwechsel zu vollziehen, ohne daß jemand meint, sich zu einem russischen Pichochet aufschwingen zu müssen. Dies ist eine Frage, die nicht nur Rußland angeht.