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Babuschkas Töchter: Überlebensgemeinschaften – Frauensache

Russland ist in tiefem Wandel begriffen. Jahr für Jahr prognostizieren Statistiker den endgültigen Zusammenbruch des krisengeschüttelten Landes – Jahr für Jahr bleibt er aus. Wie ist das möglich? Eine Antwort bekommt man bei Russlands Frauen. Sie sind es, die den Alltag des Familienlebens in Gang halten. Die Männer, schlecht bezahlt, gar nicht bezahlt oder ganz auch arbeitslos, kommen mit der Situation, in der sie nicht mehr in der Lage sind, die Familie zu ernähren,  nicht zurecht, sie trinken, sie ziehen sich aus der Verantwortung zurück.
Frauen tragen aber nicht nur die Hauptlast der Krise, sie sehen sich auch generell als die Klügeren und die Stärkeren. Frauen, so argumentieren Frauen, hätten diese Fähigkeiten von Natur. Von Natur aus Mutter, seien sie in der heutigen Situation, in der die Männer schwach werden, genetisch prädestiniert, das Überleben des Volkes zu garantieren, indem sie das Überleben der Familien organisieren, Kultur und Bildung auf ihren Schultern tragen und sogar die patriotische Erziehung übernehmen. Vor diesem Hintergrund bekommen die Erkenntnisse jener Soziologen und Ökonomen Russlands ihre Bedeutung, welche die Frage, warum die russische Bevölkerung trotz langandauernder Krise bisher nicht hungert, neuerdings mit dem Hinweis auf den „informellen“ oder wie sie sagen „expolaren“ Charakter der russischen  Wirtschaft beantworten, den sie in der Symbiose zwischen Familienwirtschaft und wirtschaftlichen Großstrukturen sehen. Familienwirtschaft, das ist im Kern Frauenwirtschaft. Ob diese neuen Erkenntnisse der Soziologen die russische Regierung mehr überzeugen als die bisherigen Privatisierungsrezepte des Internationalen Währungsfonds, bleibt abzuwarten. Würden die Verantwortlichen in der Regierung auf sie hören, dann wären sie in der Lage, die mächtigste Kraft ihres Landes für eine Gesundung Russlands zu mobilisieren: Millionen Frauen, die am Wohl und der Entwicklung ihrer Kinder interessiert sind.

Kai Ehlers, www.kai-ehlers.de/Bücher
In meinen Büchern finden Sie die Rolle der Frauen ausführlich dargestellt und analysiert
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Babuschkas Töchter
Überlebensgemeinschaften – Frauensache

Russland ist in tiefem Wandel begriffen. Jahr für Jahr prognostizieren Statistiker den endgültigen Zusammenbruch des krisengeschüttelten Landes – Jahr für Jahr bleibt er aus. Wie ist das möglich? Eine Antwort bekommt man bei Russlands Frauen. Sie sind es, die den Alltag des Familienlebens in Gang halten. Die Männer, schlecht bezahlt, gar nicht bezahlt oder ganz auch arbeitslos, kommen mit der Situation, in der sie nicht mehr in der Lage sind, die Familie zu ernähren,  nicht zurecht, sie trinken, sie ziehen sich aus der Verantwortung zurück.
Frauen tragen aber nicht nur die Hauptlast der Krise, sie sehen sich auch generell als die Klügeren und die Stärkeren. Frauen, so argumentieren Frauen, hätten diese Fähigkeiten von Natur. Von Natur aus Mutter, seien sie in der heutigen Situation, in der die Männer schwach werden, genetisch prädestiniert, das Überleben des Volkes zu garantieren, indem sie das Überleben der Familien organisieren, Kultur und Bildung auf ihren Schultern tragen und sogar die patriotische Erziehung übernehmen. Vor diesem Hintergrund bekommen die Erkenntnisse jener Soziologen und Ökonomen Russlands ihre Bedeutung, welche die Frage, warum die russische Bevölkerung trotz langandauernder Krise bisher nicht hungert, neuerdings mit dem Hinweis auf den „informellen“ oder wie sie sagen „expolaren“ Charakter der russischen  Wirtschaft beantworten, den sie in der Symbiose zwischen Familienwirtschaft und wirtschaftlichen Großstrukturen sehen. Familienwirtschaft, das ist im Kern Frauenwirtschaft. Ob diese neuen Erkenntnisse der Soziologen die russische Regierung mehr überzeugen als die bisherigen Privatisierungsrezepte des Internationalen Währungsfonds, bleibt abzuwarten. Würden die Verantwortlichen in der Regierung auf sie hören, dann wären sie in der Lage, die mächtigste Kraft ihres Landes für eine Gesundung Russlands zu mobilisieren: Millionen Frauen, die am Wohl und der Entwicklung ihrer Kinder interessiert sind.

Kai Ehlers, www.kai-ehlers.de/Bücher
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