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Russland: Chancen für die Radikalen?

O-Ton 1: Megaphon-Agitation                    16,B,194
Regie: O- Ton kommen lassen, kurz frei stehen lassen, abblenden unterlegen, nach Erzähler hochziehen

Moskau. Meeting vor Moskaus größtem Betrieb, der Autofabrik SIL. Die radikale Gewerkschaft „Saschita“, Schutz agitiert gegen die Sozialpolitik unter Präsident Putin: Entlassungen, nicht gezahlte Löhne, der Abbau der betrieblichen Sozialfonds, die drohende Einschränkung von Rechten für die arbeitende Bevölkerung durch die beabsichtigte Neufassung des Arbeitsgesetzes sind ihre Themen. Dazu der für das Jahr 2004 befürchtete „technische GAU“, der Zusammenbruch der technischen Infrastruktur, wenn weiterhin nichts in deren Modernisierung investiert wird. Die „Föderation freier Gewerkschaften“ unternimmt öffentlich nichts dagegen; Anfang der 90er als radikale Protestbewegung entstanden, ist sie inzwischen selbst Staatsgewerkschaft, die sich mit der Regierung arrangiert.
Jetzt sind es kommunistische Kräfte, die den Protest organisieren:
Megaphon allmählich ausblenden
Erzähler:
Das Misstrauen ihnen gegenüber ist groß. Gut fünfzig Menschen haben sich direkt auf dem Platz versammelt. Arbeiter von SIL beobachten von der anderen Straßenseite her:

O-Ton 2: Arbeitergruppe                        16,B, 219
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Erzähler:
Megaphon, Stimme: „Dasche nemnoschko…
„Ein bisschen albern das alles“, meint einer. „Da schicken sie Pensionäre hierher zum Meeting! Ist doch uninteressant. Sind ja auch kaum Leute da, obwohl man reichlich Flugblätter verteilt hat.“

Regie: Andere Stimme

Erzähler:
„Die Arbeiter glauben das einfach nicht mehr“, meint ein anderer.
„Lohn für unsere Arbeit brauchen wir“, meint ein dritter, „mehr nicht; und anständige Arbeitsbedingungen, dass wir Menschen sein können.“
245 (338)….bili ludmi ..megaphon

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Mit O-Ton 3

Erzähler:
Sergei Trochin, Arbeiter bei SIL und Mitbegründer der dortigen Betriebsgruppe von „Saschita“ lässt sich durch solche Kommentare nicht beirren. So etwas sei heute üblich, meint er. Dass die Kollegen aber überhaupt wieder zum Meeting herauskämen, kündige eine neue Qualität von Protesten an. Die Zeit werde es zeigen:

O-Ton 3: Serge Trochin, Aktivist von „Saschita“              14/B/245
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Übersetzer overvoice:
„Na sawodje my stolknulis…
Sie seien in der Fabrik mit einer paradoxen Situation konfrontiert, erklärt er. Die Kollegen seien nach wie vor Mitglied der etablierten Gewerkschaft, mit Fragen jedoch kämen sie zu ihnen.
268  verlegenes Lachen,  …prichoditsja k`nam.“

Erzähler:
Grund für diese Entwicklung, so Sergei: Die etablierten Gewerkschaften sind für die Arbeiter lebenswichtig, solange sie die betrieblichen Sozialfonds verwalten. Jetzt stellt die Regierung diese Funktion der Gewerkschaft in Frage. „Saschita“ dagegen hat politische Ziele, unter anderem ruft sie zum Widerstand gegen eben diese Pläne der Regierung auf. Die Betriebsgruppe von SIL gibt ein monatliches Flugblatt heraus:

O-Ton 4: Sergei Trochin, Forts.                14/A/308
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Übersetzer overvoice:
„Listok wosnamnom…
„Das Flugblatt sei natürlich den Vorgängen in der Fabrik gewidmet, erklärt Sergei, aber es kommentiere sie so, dass die Menschen zu denken begännen. Das sei das Wichtigste.“
322 …ludej dumat.“

Erzähler:
Denken, das heißtz für Sergei an die Zukunft denken:
Zwar habe sich die Lage unter Putin ein wenig beruhigt. Zwar werde in einigen Betrieben wieder regelmäßig Lohn gezahlt. Erstens aber geschehe das selbst in guten Betrieben auf niedrigstem Niveau, schlimmer sei aber zweitens, dass Gewinne weiterhin nicht investiert, sondern privatisiert würden.

O-Ton 5: Sergei Trochin, Forts.                     14, B,490
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Übersetzer overvoice:
„Sdjes wosmoschno dwa…
Sergei sieht zwei Varianten: Einen weichen Kurs der Regierung, das bedeute ständige kleinere Kämpfe wie in allen zivilisierten Ländern, dann dauere die Modernisierung vielleicht 50 Jahre. Oder die Regierung ziehe ihr Programm durch, also Abbau der Sozialfonds bei Fortsetzung der Privatisierung, dann werde es zu Konflikten mit der Arbeiterschaft kommen, die sich wehren müsse, denn letztlich gehe alles durch ihre Hände. Auch alle Mängel der Maschinen, setzt Sergei noch hinzu, da gebe es nichts zu verbergen.
123 … nitsche ne skeowisch.“