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Apropos Griechenland: Aufgepaßt – Europa kann lernen

Apropos Griechenland: Aufgepaßt – Europa kann lernen

Ein beachtenswerter Artikel erschien dieser Tage in „Spiegel online“ zur griechischen Krise, der mehr ist als ein Artikel zur griechischen Krise. Thema ist die Wiederentdeckung der heimischen landwirtschaftlichen Produkte in Griechenland. Dort wird die Möglichkeit wieder entdeckt, sich nicht im Supermarkt mit Importprodukten zu versorgen, während die  heimische Landwirtschaft in die Knie geht, sondern statt dessen die Produkte zu konsumieren, die das Land selbst hergibt und so zwei, drei oder noch mehr Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: billiger einzukaufen, frischere Produkte zu haben und zugleich die heimische Landwirtschaft zu stärken. Darüber hinaus entstehen Netze einer bedarfsorientierten Wirtschaft, die solidarische Beziehungen zwischen Städtern und Landbevölkerung auf dem technischen Niveau von heute (wieder) herstellt – Bedarfsermittlung über Internet, bedarfsorientierte Beziehungen zwischen Konsumenten und Produzenten. Die Regionen werden gestärkt. Die Entwicklung ist aus der Not geboren; als unübersehbares Zeichen einer Alternative zu der Zerstörung regionaler Märkte und Lebensräume im Zuge der neoliberalen Globalisierung der Märkte trägt sie jedoch prinzipielle Züge, die – wenn erkannt – auf eine zukünftige Symbiose von lokaler, bzw. regionaler Selbstversorgung mit eigenen heimischen Produkten und Fremdversorgung durch den globalen Markt hinauslaufen.

Deshalb: Den „Spiegel-online“ Artikel unbedingt lesen:. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/griechen-entdecken-in-der-krise-heimische-produkte-neu-a-841515.html

Wer tiefer in diese Frage einsteigen möchte, dem empfehle ich mein eigenes Buch „Kartoffeln haben wir immer – (Über)leben in Rußland zwischen Supermarkt und Datscha.“ In diesem Buch wird im eurasisch-russischen Maßstab deutlich, was Griechenland jetzt im europäischen Rahmen erlebt: die prinzipielle Konfrontation, ich möchte beinahe sagen, den Kampf zwischen Modernisierung nach westlichen WTO, GATT, IWF und sonstigen Standards und lokalen und wirtschaftlichen Selbstversorgungstraditionen. Das Buch entstand in der konkreten Analyse zu der Frage, warum und wie es Rußland besser als anderen Industrieländern gelang, die Krise 2008/2009 zu meistern – eben auf Grundlage seiner traditionellen gemeinschaftlichen Selbstversorgungskultur. Der Kampf um Beseitigung oder Erhaltung dieser Kultur bekommt durch den Eintritt Rußlands in die WTO jetzt ebenfalls aktuellen und prinzipiellen Charakter. An ihm sind exemplarische Einsichten zu gewinnen.

Kai Ehlers

Zur Zeit in Moskau

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlagwörter: Datscha, Dorf, Europäische Union, Fremdversorgung, Krise, lokale Wirtschaft, Modernisierung, Regionale Wirtschaft, Selbstversorgung