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Memorandum im UN- Sicherheitsrat: Achse des Friedens – oder ernten auf fremdem Feld?

Die USA haben ihre letzte Resolution in den UN-Sicherheitsrat eingebracht. Sie ist faktisch ein Ultimatum an Saddam Hussein. Frankreich, Deutschland, Russland, China haben ein Memorandum vorgelegt, in dem sie weitere und schärfere Kontrollen fordern, um einen Krieg zu vermeiden. Als letztes Mittel jedoch halten auch sie die Option eines Krieges offen. Wie ist das zu verstehen? Will man die Amerikaner aufhalten oder nicht? Nein, will man nicht…

Von Spiegelfechterein befreit läuft die Auseinandersetzung darauf hinaus, die USA in den Alleingang preschen zu lassen. Das wundert nicht, denn weder Deutschland und Frankreich, noch Russland, noch China können ein Interesse daran haben, an der Seite der USA in diesen Krieg gegen den IRAK zu ziehen, der ein Krieg gegen die islamische Welt zu werden droht und der die Entwicklung einer Neuordnung nach dem Ende der bi-polaren Welt bedroht.

Schon der Krieg in Afghanistan stand unter diesen Prämissen: Die USA sind die kriegführende Partei, Europäer, Russen, Chinesen stellen die Friedenstruppe, bzw. helfen mit langangelegten Infrastruktur-Programmen. Die Amerikaner tragen die größten materiellen Lasten des Krieges, verwickeln sich in Bodenkämpfe, laden den Zorn der Besiegten und ihrer Freunde in der islamischen Welt auf sich, die Russen kommen mit Rot-Kreuzwagen. Eine bessere Entsorgung der Rückstände aus der sowjetischen Invasion nach Afghanistan konnte Wladimir Putin sich nicht wünschen.

Noch klarer bei den Europäern, insonderheit bei den Deutschen: Sie sind die Wunschpartner für den Wiederaufbau des Landes. Ihnen wird zugetraut, dass sie bei ihren Bemühungen an den gewachsenen Strukturen anknüpfen. Ähnliches gilt für die Chinesen, die an einer Öffnung des Raumes nach Osten interessiert sind und sich dafür in langfristigen Projekten engagieren. Die Russen sind um konkrete Wiedergutmachung bemüht. Dem amerikanischen Militarismus dagegen, der über die örtliche Kultur und Tradition hinweggeht, schlägt wachsendes Misstrauen entgegen.

Die Konstellationen im IRAK-Konflikt sind die gleichen, nur treten sie jetzt im größeren Maßstabe und schärfer zutage: Die Europäische Union, Russland, China sind nicht weniger interessiert an einer Einflussnahme auf den IRAK, generell gesprochen auf den arabischen Raum als die USA. Aber warum sollte sich Wladimir Putin die Finger an einem Krieg gegen den IRAK verbrennen, der sein langjähriger enger Partner im Ölgeschäft war und es noch immer ist? warum China? warum die EU, wenn Amerika dies Geschäft übernimmt?

Die USA werden sich mit diesem Krieg, selbst wenn er kurz sein sollte, eine Vertiefung ihrer Krise, langfristige Belastungen, eine weltweite Welle des Anti-Amerikanismus und insbesondere den Haß der islamischen Welt zuziehen, der eine neue Generation von Terroristen hervorbringen wird. Europäer, Russen, Chinesen können auch dieses mal viel mehr gewinnen, wenn sie die Wiederaufbauer sind. Das können sie natürlich nur mit Einverständnis der USA. Hieraus erklärt sich das halbe Ja zu den Bündnisanforderungen der USA.

Die USA befinden sich in einem Dilemma: Ihrem Supermachts-Anspruch folgend müssen sie diesen Krieg führen, die Früchte aber drohen andere für sie zu ernten. Das erklärt nicht nur die zornigen Worte aus dem Weißen Haus, es lässt auch noch weitere Verschärfungen der Fronten für die Zukunft erwarten, selbst wenn man sich im Falle des IRAK-Krieges auf ein Lasse-faire gegenüber den Kriegswünschen der USA einigen sollte, was zu befürchten ist.

© kai ehlers

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