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Aus Anlass der Anschläge vom 11.9.2001: Nicht „Schulterschluß“ und Konfrontation…

Alternativen entwickeln

Der “Schulterschluss” der “zivilisierten” gegen die “unzivilisierte” Welt, wie in Christian Semmler kritisiert, also des “Westens” gegen den “unterentwickelten” Rest des Globus ist ganz sicher nicht die Reaktion, die hilfreich ist, den Knoten zu lösen, der mit den Terroranschlägen in New York und Washington ins Licht der Weltöffentlichkeit getreten ist. Wir brauchen stattdessen Differenzierungen, um die Entwicklungswege zu fördern, die einer zivilisierten Lösung unserer heutigen globalen Probleme dienlich sind. Wir brauchen eine Lösung, die darauf zielt, allen Menschen die Möglichkeit der Selbstverwirklichung zu geben.
…sondern eine multipolare Weltordnung…
Anders gesagt: Nicht die Ablösung der alten Systemkonfrontation durch eine Konfrontation der Kulturen unter Führung der USA steht heute an, sondern die Herausbildung einer multipolaren Weltordnung, in der die Völker der Welt eine vielgestaltige Weltkultur kooperativ und gleichberechtigt miteinander entwickeln. Nur darin liegt eine menschenwürdige Zukunft.
…und soziale Alternativen entwickeln
Dies bedeutet auch, die vielfältigen Alternativen zur Privatisierung und so genannten Globalisierung herauszuarbeiten, die heute, angestoßen durch die nachsowjetische Entwicklung in Russland und anderswo erkennbar werden. In dieser Entwicklung läuft ja keineswegs alles so, wie sich es sich die Liquidatoren des sowjetischen Modells gedacht haben. Es zeigt sich nämlich, dass der ungehemmte liberale Kapitalismus keineswegs die Alternative zum sowjetischen System ist. Unter dem Druck der Globalisierung des Kapitals entstehen vielmehr – besonders sichtbar im nachsowjetischen  Russland, aber keineswegs nur dort – die vielfältigsten Mischformen des Wirtschaftens und Lebens. Das sind kulturell geprägte Verbindungen aus industriellen und vorindustriellen, aus kollektiven und individuellen, aus staatlichen und familiären Strukturen, die zunächst aus purem Überlebensdruck hervorgehen, die aber darüber Keime möglicher Alternativen zum schematischen Entweder-Oder von “Kapitalismus oder Sozialismus” in sich tragen. Diese Keine gilt es zu erkennen, zu analysieren und bewusst zu fördern.
Kai Ehlers